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Der tanzende Ökonom | 04/Frühjahr 2019

Die Auswahl für diesen ersten Newsletter 2019 war nicht einfach: Ich hatte mir ja vorgenommen, selbst weniger zu tun, und ich bin gar nicht so schlecht unterwegs, ich tanze mehr und komme viel in die Natur. Der Wecker läutet nur sporadisch.

Das Schöne ist, dass sich der „Gesamtprozess Gemeinwohl-Ökonomie“ verselbständigt und überall nicht nur Keime treiben, sondern auch immer mehr Früchte reif werden. Endlich ist das „Gemeinwohl-Konto“ da, hurra! Auch zwei erste empirische Studien zur Gemeinwohl-Bilanz und -Ökonomie sind abgereift – in Deutschland und Spanien. Und mein erstes Forschungsprojekt wurde genehmigt, am IASS.

Die bisher größte Reise meines Lebens führte mich Ende letzten Jahres über Argentinien und Mexiko nach Jakarta, wo ich mit BDI(Bundesverband der deutschen Industrie)-Präsident Dieter Kempf auf einem Oxford-style Panel über Welthandel diskutierte. Auf Einladung von Toniic und der BMW Foundation tanzte ich die Common Good Lecture in Paretz. 
Jetzt beginne ich aber den Frühlingsnewsletter, bevor es Sommer wird…


Übersicht
  1. Bankprojekt: Gemeinwohl-Konto, SozialMarie, Crowd Funding UN-Plattform
  2. Gemeinwohl-Ökonomie: Nachhaltigkeitspreis, Momentum-Treffen,
    Best Economy Forum, Schnelltest
  3. Politik: GWÖ im Bundestag, GWÖ bei UNECE, Delegiertenversammlung, Robert Habeck
  4. Wissenschaft: IASS Forschungsprojekt, Valencia-Studie, GWÖ-Wissenschaftstagung
  5. Reisen: Argentinien-Mexiko-Indonesien, Toskana
  6. Tanz: Paretz, Klangforums "Happiness Machine"
  7. Medienblitzlichter
  8. Vorschau: "This is not economy!", Call for Papers ECG conference
  9. Action!

I. Bankprojekt 

Gemeinwohl-Konto ist da! 

Achteinhalb Jahre nach dem Start ist es dem Projekt Bank für Gemeinwohl gelungen, das
Gemeinwohl-Konto Realität werden zu lassen! Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
unserem Bankpartner, dem Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen, in personam Hubert Pupeter und Kristina Proksch, stellten wir das erste Gemeinwohlkonto Österreichs vor! Wir haben unsere Konto-Partner*in sehr sorgfältig geprüft und ausgewählt. Insgesamt waren es vier Partner-Banken, mit denen wir im Gespräch waren. Das Umweltcenter der - selbständigen - Raiffeisenbank Gunskirchen hat uns mit Abstand am klarsten überzeugt, weil sie a) einen eigenen Rechnungskreis für das Umwelt- und Gemeinwohl-Konto darstellen können, b) alle Kredite umweltprüfen (die Umweltprüfung hat bei uns intern die Gemeinwohlprüfung bestanden; im Umwelt-Beirat sitzen Vertrauenspersonen wie Helga Kromp-Kolb oder Kuno Haas von der Grünen Erde) und c) die Kredite transparent machen. Damit können wir die nachhaltige Verwendung von Geldern in genau gleicher Höhe aller Guthaben auf den Gemeinwohl-Konten gewährleisten. Das ist in Österreich einzigartig, und dafür hat das Umweltcenter Gunskirchen auch die beste Bewertung des Spargutbuches erzielt (S. 74). Deshalb gehen wir gemeinsamen diesen Weg, vielleicht schließen sich weitere an …
Gemeinwohl-Konto
→ Kommentar im profil
→ Bericht im Standard

SozialMarie: gleich 2 Preise für die GfG

Wenige Tage vor dem Launch des Gemeinwohl-Kontos erhielt die Genossenschaft für Gemeinwohl eine wunderschöne Doppel-Auszeichnung: Bei der jährlichen Verleihung der SozialMarie erhielten wir den 2. Hauptpreis der Jury als auch mit großem Abstand den Publikumspreis. Der 1. Preis ging an das Projekt Omamas in die Slowakei. Wir freuen uns sehr über die Anerkennung und auch finanzielle Kräftigung: der Jury-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
→ Mehr Infos

Crowdfunding

Led by Patrick Zaunfuchs, the crowdfunding of the Common Good Cooperative is developing steadily and successfully. Recently we financed part of the eco-efficient extension of a traditional bookbinder’s production site in Saalfelden as well as the Haus der Menschenrechte (House of Human Rights) in Linz/Austria. At the moment, we create the first synergy between the Economy of the Common Good and the Common Good Cooperative in Form of a companies platform: All companies with Common Good Balance are presented and can interact with their stakeholders: customers, investors, other companies, the public etc. Please support this important project of the growing Economy for the Common Good Movement!
→ Crowdfunding of the Common Good Cooperative (DE)
→ Project ECG-Companies platform (DE)

II. Gemeinwohl-Ökonomie

Zu Gast beim Nachhaltigkeitspreis

Das größte Nachhaltigkeitsevent und – manche sagen sogar Europas – ist der Deutsche Nachhaltigkeitspreis. Mehr als 1000 Gäste nehmen an der pompösen Abend-Gala teil, ich wurde eingeladen, eine Keynote zur GWÖ und danach einen Vertiefungsworkshop zu halten. Beide Formate kamen sehr gut an, Brigitte Mohn von der Bertelsmann-Stiftung gratulierte persönlich. Der Workshop mit Stephan Schaltegger war, Gründer des MBA Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg, war durch die Key Note so gut beworben, dass der Raum überquoll. Die GWÖ erreichte eine neue Zielgruppe. Im Nachgang bot Prof. Schaltegger an, wissenschaftliche GWÖ-Themen als Bachelor- oder Masterarbeiten in seinem Studiengang auszusschreiben und zu betreuen. Als weiterer Nebeneffekt wurde an Ort und Stelle die Gründung des GWÖ-Zweigvereins für NRW beschlossen.
→ GWÖ-Vorstellung auf der Website des Nachhaltigkeitspreises

Erstes Momentum-Treffen in Österreich

Erstmals lud ich größere GWÖ-Pionier-Unternehmen aus ganz Österreich zu einem „Momentum“-Treffen, um der Bewegung im Land gemeinsam mehr Schwung zu verschaffen. Aufgrund der immer noch spürbaren Wirkungen der Negativkampagne von Julius-Raab-Stiftung, Wirtschaftskammer & Co im Jahr 2013 ist die GWÖ hierzulande immer noch unter ihrem Potenzial. In einem Treffen mit Johannes Gutmann von Sonnentor beschlossen wir, die Bereitschaft für so ein „Momentum-Treffen“ auszuloten – die Resonanz war positiv, am Ende nahmen 23 Personen am Treffen teil, u. a. Sonnentor, Gugler, x-net, OeAD, Baumeister Lux, Culumnatura, FH Burgenland, Stasto, Buchbinder Fuchs, Trumer Brauerei, Grüne Erde, bfi Tirol, Klangforum Wien oder Genossenschaft für Gemeinwohl. Gehostet wurden wir von Kuno Haas und der Grünen Erde im tief verschneiten Almtal. Wir wurden nachhaltig verköstigt und durch die sehenswerte Grüne-Erde-Welt geführt. Das Treffen dauerte einen ganzen Tag, was gerade für ein Durcharbeiten der Themenblöcke (Vorstellung, Situation international und in Österreich, Kontakte, Projekte, Finanzen) reichte. Sofortfrüchte: Gugler, Baumeister Lux und Stasto (Tirol) werden die GW-Bilanz erstellen, die Trumer Brauerei die GWÖ bei den CulturBrauern und Slow Brewers bekannt machen. Von weiteren Vorhaben berichte ich nach Erfolg. Das Nächste Treffen 2019 wird bei der Buchbinderei Fuchs in Saalfelden stattfinden.

Best Economy Forum 

Auf Initiative von Carola Petrone von den BioHotels haben diese mit Bioland und der Gemeinwohl-Ökonomie gemeinsam das 1. Best Economy Forum in Bozen aufgestellt. Die Initiative versteht sich als Alterantive zum World Economy Forum in Davos, im Unterschied zum World Social Forum jedoch als Forum für ethisch orientierte Unternehmen. Diese kamen auch in erfreulich großer Zahl, insbesondere solche, die noch nicht bei der GWÖ sind, durch dieses sehr inspirierende, einende und motivierende Event aber nun die Bewegung verstärken werden, zum Beispiel der Bio-Fruchtsaft-Hersteller Völkel aus Niedersachsen, das IT-Unternehmen CAS aus Karlsruhe, Aboca aus der Toskana (planen Bilanz) oder Fondazone Iris – haben schon bilanziert! Natürlich waren auch viele GWÖ-Pioniere vor Ort. Die Rahmen-Key Notes wurden von den internationalen Promis Vandana Shiva und Auma Obama (die Stiefschwester von Barack Obama, die in Kenia für Menschenrechte und gegen Armut kämpft) gehalten. Ich durfte die politische Key Note beitragen. Höhepunkt war die in situ-Formulierung und Unterzeichnung des Manifestos. Das nächste BEF ist im Zweijahresabstand geplant, in hoffentlich deutlich erweitertem Kreise.…
Manifest des BEF
Foto-Eindrücke

GWÖ-Schnelltest ist da 

Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein ernsthaftes Projekt, dessen Angehen von vielen Organisationen reiflich überlegt wird. Nun gibt es eine niederschwellige Einführung und Entscheidungshilfe: den 6-seitigen Schnelltest. In 30 Minuten kann man den „spirit“ der Gemeinwohl-Bilanz erfassen und „Daumen mal Pi“ einschätzen, wo die eigene Organisation aktuell steht. Das Instrument ist frei verfügbar.
GWÖ-Schnelltest für Organisationen

III. Politik 

GWÖ-Bundestagsgruppe trifft sich

Am zweiten Treffen der überfraktionellen AG Gemeinwohl-Ökonomie im deutschen Bundestag nahmen insgesamt schon vier Fraktionen teil: CDU, SPD, Grüne und Linke. Die FDP war verhindert. Wir besprachen erste konkrete Aktivitäten wie ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zur Nutzung der Gemeinwohl-Bilanz in der öffentlichen Beschaffung oder Exkursionen zu Gemeinwohl-Betrieben und -Kommunen.

Stuttgart empfängt GWÖ-Delegiertenversammlung

Zur 7. Internationalen Delegiertenversammlung der Gemeinwohl-Ökonomie kamen GWÖ-Aktive aus Argentinien, den USA, Schweden und anderen Ländern. Eine Vertreter*in aus Kenia wollte kommen, erhielt aber kein Visum. Ich selbst nahm nur halb aufmerksam und einen Tag lang teil, weil ich im Finish für das neue Buch war, das im Herbst erscheint. Den Höhepunkt Empfang im Stuttgarter Rathaus, bei dem die Stadtbediensteten von der kraftvollen internatioalen Bewegung beeindruckt wurden, erlebte ich noch mit. Anna Deparnay-Grunenberg, der das „Stuttgarter Modell“ der GWÖ weitgehend zu verdanken ist, wurde von uns öffentlich geehrt, und nun zieht sie mit dieser Erfahrung im Rucksack in das EU-Parlament ein… Ihr Fraktionskollege und Spitzenkandidat, Sven Giegold, hatte die Gemeinwohl-Ökonomie offensiv beworben.
WAZ-Interview mit Giegold

GWÖ auf UNECE in Genf 

Die United Nations Economic Commission for Europe UNECE mit 56 Mitgliedstaaten in und außerhalb Europas hat die GWÖ und VAUDE zur europäischen Vorbereitungskonferenz für das
High Policy Forum der UNO zu den SDGs im Juli in New York eingeladen. Wir durften eine Case Study zur GW-Bilanz präsentieren beim Round Table zum SDG 13 (Klimaschutz) präsentieren. Unsere Botschaft kam gut an (Antje von Dewitz war mitreißend), und die GWÖ-Bilanz wurde in den Bericht des Round Tables an das Plenum aufgenommen. Der GWÖ-Infostand wurde von Aktiven aus Italien, Deutschland und Großbritannien betreut. Wir wurden spontan zu einer weiteren Veranstaltung vom European Environmental Bureau zu „Growth & Sustainability“ eingeladen, bei dem Matt Mayer von ECG UK (Foto) eine Initiative startete, das SDG 7 (das „growth“ enthält) zu ändern. Próxima estación: New York...

Diskussion mit Grünen-Chef Robert Habeck

Im Zuge der LitCologne kam es zum gemeinsamen Frühstück mit Grünen-Chef Robert Habeck – vor unserer gemeinsamen Diskussion auf der TH Köln. Wir waren schon vor über fünf Jahren in Schleswig-Holstein auf einem Podium gesessen, entsprechend war ihm die GWÖ nun schon bekannt und wir konnten eine gute fachliche Diskussion führen. Gastgeberin war Prof. Ursula Binder, Expertin für Nachhaltige Entwicklung an der TH Köln.




IV. Wissenschaft

IASS-Forschungsprojekt

Nach meinem Senior Fellowship am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung in Berlin-Potsdam IASS 2018 bin ich dieses Jahr „Affiliate Scholar“. Als solcher koordiniere ich das Forschungsprojekt „Integrating the best and most widely used sustainability reporting frameworks into one unified and legally binding standard“. Ich hatte das Projekt im „Incubator“ eingereicht, und es wurd als erstes Projekt in dieser innovativen Programmschiene genehmigt. Das Projekt besteht aus 3 Teilen:

Part I: Comparative analysis and evaluation of sustainability reporting / CSR tools
Part II: Integration to a unified and standard
Part III: Draft for a legal implementation instrument

Die Ausschreibung wurde von der B.A.U.M. Consult GmbH München-Berlin gewonnen. Bis Jahresende rechnen wir mit Ergebnis von Teil I.

Zwei empirische GWÖ-Studien und erste wissenschaftliche Tagung

Drei Jahre lang forschte ein Team rund um Bernd Sommer und Harald Welzer von den Universitäten Flensburg und Kiel die GWÖ theoretisch und empirisch. Die Ergebnisse sind überaus erfreulich. Der Gemeinwohl-Bilanz wird eine „Postwachstumswirkung“ zugeschrieben und die GWÖ wird als „soziale Innovation“ angesehen. „Soziale Innovationen lösen Probleme besser als frühere Praktiken, und sind es deshalb auch wert, nachgeahmt und institutionalisiert zu werden.“ Und „Die meisten Strategien und Instrumente zur Steigerung der Ressourceneffizienz verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz als die GWÖ. Die Gemeinwohl-Ökonomie zielt darauf, unternehmerisches Handeln insgesamt am Ziel des Gemeinwohls auszurichten.“ Eine zweite Studie der „Cátedra EBC“ der Universität Valencia hat 657 Unternehmen ausgemacht, die das Gemeinwohl-Ökonomie Modell anwenden. Bis Dezember 2017 haben 400 davon eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Davon nahm die Hälfte, 206 Firmen, an der Studie teil. Fazit: 17 der 20 Gemeinwohl-Themen der Matrix sind „statistisch valide“, nur bei drei gibt es inhatliche Überschneidungen. Die Erstellung der GW-Bilanz wirkt sich auf die ethische Performance der Unternehmen klar positiv aus, auch auf die finanzielle Performance nicht negativ, sondern tendenziell leicht positiv. Die Präsentation der Studie fiel mit der ersten wissenschaftlichen Tagung der GWÖ an der Universität für Bodenkultur zusammen, an der rund 30 Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland teilnahmen.
AK WiFo der GWÖ
Presseinfo zur wissenschaftlichen Tagung
→ Unterlagen der Pressekonferenz

Konvivialismus-Seminar an der Uni Hamburg

Die auf Ideen von Ivan Illich zurückgehende französische Konvivialismus-Bewegung rund um denSoziologen Alain Caillé hat das „Konvivialistische Manifest“ verfasst und in akademischen Kreisenvor allem in Frankreich und Deutschland verbreitet. Die Initiative steht dem Antiutilitarismus undder Décroissance-Bewegung nahe. Ich steuerte einen Beitrag im 2. Sammelband bei, in dem ich denBegriff kritisch hinterfrage. Frank Adloff, die deutsche Koordinationsstelle, lud zu einem Seminaran der Universität Hamburg, das sehr spannend war. Wir unterhielten uns u. a. über das Buch „The Road from Mont Pèlerin“ von Philip Mirowski und Dieter Plehwe, das ich seither mit großem Erkenntnisgewinn lese! Wir sind verblieben, dass wir die Gründung eines alternativen Denkkollektivs rund um Konvivialität, das gute Leben für alle, Gemeinwohl und Glück angehen wollen...
→ Interview mit Frank Adloff im Deutschlandfunk zur Tagung mit Brückenbau zur GWÖ.

V. Reisen

Argentinien – Mexiko – Jakarta


In gewisser Weise der prominenteste – oder gewagteste – Auftritt im Vorjahr war die Teilnahme an der „Oxford Style Debate“ auf der APK 2018, der Konferenz des deutschen Außenhandels in Südost-Asien. Mehr als 1000 betuchte Gäste, vorwiegend aus Deutschland, nahmen an diesem Mega-Event in einem Luxushotel in Jakarta teil. Joe Kaeser, Dieter Zetsche, Frank Appel, Jürgen Fitschen und viele andere Alpha-Männer waren ganz selbst-verständlich vor Ort. Die Minister aus der Region perlten nur so herein, auch Deutschlands Peter Altmeier war prominent im Einsatz, er bereitete – posaunend – den Boden für Wachstum, Handel, Wohlstand. So einfach ist das. Es wirkte ein wenig gespenstisch, weil alle Diskurse von Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Wachstumskritk oder Freihandelsskepsis aus dem offiziellen Diskurs vollends ausgespart wurden – nicht nötig offenbar beim „Going East“. Einen kleinen, aber umso kraftvolleren Kontrapunkt setzte das innovative Format „Oxfort Style Debate“, das anfangs Tagungsorganisator abgelehnt worden, doch dann von den jüngeren Mitarbeiter*innen mit guten Argumenten durchgesetzt worden war. Ich stieg mit BDI-Präsident Dieter Kempf, dem Finanzminister Australiens und einem alternativen indischen Ökonomen aufs Podium. Mir war klar, was auf mich zukommen würde und was in 5 Minuten Redezeit möglich ist und was nicht. Entsprechend war ich sehr gut vorbereitet. Und es ging auf! Organisator Liehnhard schrieb mir in einem persönlichen Brief nach der Konferenz, dass das Format „einer der unbestrittenen Höhepunkte“ und meine Argumente „bisher selten gehört“ worden wären auf einer „auf einer deutschen Wirtschaftskonferenz (…) Es war das erste Mal, dass wir auf einer APK Vertreter von NGOs auftreten ließen. Die Erfahung ermutigt uns, dies weiterhin so handzuhaben.“ Auch Dieter Kempf selbst zollte mir nach dem Panel Lob und kündigte an, mich einmal zum BDI einzuladen, was auch passierte: Im Mai dieses Jahres lud mich ecosense, eine Unterorganisation des BDI der Nachhaltigkeitsbeauftragten der DAX-Konzerne, ein, um die Gemeinwohl-Bilanz vorzustellen. Anwesend waren Manager*innen von Deutsche Bank, Siemens, Lufthansa, Bayer, Bosch, ... Die Resonanz auf die Präsentation war sehr positiv, jetzt sind wir gespannt, wann sich der erste DAX-Konzern an die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz heranwagt.

Toskana (Aboca)

Auf ein Kulturevent in der Mailänder Börse, zu dem mich das Bio-Medizin- und Ernährungs-Unternehmen Aboca aus der Toskana eingeladen hatte, folgte auch die Einladung an den Firmensitz in Sansepolcro nahe Florenz. Der Hersteller von medizinischen und dietätischen Heilkräuterprodukten ist in 40 Jahren auf 1500 Beschäftigte angwachsen. Sie sind eine der ersten Società Benefit, die es in Italien seit 2016 auf gesetzlicher Grundlage gibt. Aktuell führt Massimo Mercati die Geschäfte, der ebenso intellektuell versiert wie breit vernetzt ist, u. a. zählen Fritjof Capra und Stefano Zamagni zu seinem Netzwerk. Sein Vater Valentino Mercati hatte die Firma 1978 gegründet, beginnend mit einem kleinen Bio-Bauernhof, von dem der Firmenname stammt. Bis auf zwei stellt das Unternehmen alle Pflanzen in eigener biologischer Landwirtschaft selbst her. In den Labors am Firmensitz betreiben sie Hi-Tech-Forschung in der medizinischen Molekularbiologie, u. a. zu Diabetes, Übergewicht und Krebs. Mit dem Hustenmittel sind sie in Italien sogar vor den Pharmariesen wie Pfizer Marktführer. Im Vertrieb hat Aboca ein Netzwerk von über 600 Partner-Apotheken aufgebaut, unter dem Label „Apoteca Natura“, das bereits nach Spanien und Portugal reicht (ich wurde dafür zu einem weiteren Vortrag nach Portugal eingeladen). In Florenz hat Aboca 21 öffentliche Stadt-Apotheken zu 80% übernommen, die sie aktuell zu B Corps – oder GWÖ-Unternehmen – machen wollen. Neben den betrieblichen Aktivitäten machen sie viele kulturelle Aktivitäten, u. a. betreiben sie ein Pharmazie-Museum in Sansepolcro, ein veritables Kleinod. Aktuell machen sie die Zertifizierung zur B Corporation. Die zusätzliche Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz ist angedacht. Auch bei der Lobbyierung der Gemeinwohl-Bilanz auf EU-Ebene will Aboca helfen. Die rechte Hand des CEO, Jacopo Orlando, kam zum Best Economy Forum nach Bozen. Wir sind im Kontakt…

Luxemburg

Die Reisen nach Luxemburg tragen Früchte. Nach längeren Vorbereitungen gründete sich am 4. Juni der luxemburgische GWÖ-Förderverein. 22 Vertreter*innen aus unterschiedlichen Sektoren der Gesellschaft präsentierten sich den Medien und kamen damit in die Hauptabendnachrichten. Anlass war meine Einladung zum Vortrag am selben Tag in die Gemeinde Mertzig, dessen Gemeinderat rund um Bürgermeister Mike Poiré einstimmig beschlossen hat, zur ersten Gemeinwohl-Gemeinde Luxemburgs zu werden. Zum großen Info-Abend kamen 170 Menschen in die 2000-Seelen-Gemeinde, und 12 zivilgesellschaftliche Organisationen von Fair Trade bis zur GWÖ stellten sich vor. Anwesend waren der luxemburgische Parlamentspräsident, der Energieminister, mehrere Abgeordnete und zahlreiche Gemeinderät*innen: ein sehr kraftvoller Event, der in Luxemburg einiges bewegen wird.
RTL-Beitrag (wichtigste TV-Nachrichtensendung in Lux), ab Min. 1.17

VI. Tanz 

Common Good Dance in Paretz

Bei einem Visionstreffen von Toniic und der BMW Foundation war ich von Charly Kleissner, seines Zeichens expat-Tiroler, Silicon Valley-Multimillionär und global Impact Investor, persönlich eingeladen. Ich trug neben Gedanken zu „Systemwandel“ die Common Good Dance Lecture mit Akro-Partnerin Magoa Hanke bei. Vor Ort war auch John Elkington, der Erfinder der Triple Bottom Line, der seine damit verbundene Vision vor kurzem für gescheitert erklärte.
Trailer
John Elkington in der Harvard Business Review


„Happiness Machine“ - Multi-Genre-Inszenierung des Klangforums Wien 

Das renommierte zeitgenössische Musik-Ensemble Klangforum hat ein eigenes Multi-Genre-Stückzur Gemeinwohl-Ökonomie gemacht, die „Happiness Machine“. Zuerst wurden 10 Trickfilme beiweiblichen Regisseur*innen in Auftrag gegeben, die dann von Komponist*innen vertont und vom Klangforum live gespielt wurden – bei der Österreich-Premiere. Zwischen den Filmen erzählten  Ensemble-Mitglieder in authentischer und persönlicher Weise ihren Zugang zur Gemeinwohl-Bilanz, die das Orchester erstellt hat. Ein sehr gelungener Abend und ein beeindruckendes Projekt!
→ Bericht in der Presse
→ Fotos auf Facebook
→ Blog-Beitrag von Intendant Sven Hartberger

VII. Medienblitzlichter

VIII. Vorschau

Neues Buch „This is not economy!“

Der Buch-Herbst wird heiß:
Die Innere Stimme erscheint als „Voz Interior“ auf Spanisch (Obrión),
der Ethische Welthandel als „Trading for Good“ auf Englisch (Zed Books)
und, Achtung, Knalleffekt:
This ist not economy! - Aufruf zur Revolution der Wirtschaftswissenschaft“
bei meinem Stammverlag Deuticke
This is not economy!

Call for Papers 1st ECG conference November 28th/29th

The first scientific conference of the ECG movement will take place on November 28th/29th at the University for Applied Sciences in Bremen. We call for Papers under the title „Economy for the Common Good – A Common Standard for a Pluralist World?“ The conference is organized jointly by the School of Graduate and Professional Studies of the Bremen Citiy University of Applied Sciences and the Science and Research Hub of the ECG, respectively its scientific council, chaired by Günter Koch.
IX. Action!

Gemeinwohl-Konto eröffnen
Ab sofort können alle Menschen in Österreich von zu Hause aus ein Gemeinwohl-Konto eröffnen. Deutsche Staatsbürger*innen müssten nach Gunskirchen kommen, um sich persönlich auszuweisen. Wir sondieren die Option eines Video-Ident-Verfahrens aus, die entsprechende News erfährt ihr über den Newsletter der GfG.
Gemeinwohl-Konto 

Crowd-Funding für GWÖ-Unternehmensportal
Die GWÖ-Bewegung hat sich vorgenommen, die Services für Bilanz-Unternehmen spürbar zu verbessern, Auftakt ist eine Online-Plattform, auf der die Unternehmen vorgestellt werden und über die sie in Kontakt mit Kund*innen, Investor*innen und anderen GWÖ-Unternehmen treten und mannigfaltig kooperieren können. Dafür sammeln wir 150.000 Euro. Bitte beteiligt Euch nach Euren Möglichkeiten.

Ehrenamtlichen IT-Support gesucht!
Der AK IT der GWÖ sucht Menschen, die IT-Support für die Mitglieder der GWÖ leisten möchten! Bei Interesse und näheren Fragen zum Inhalt und Ausmaß bitte ein Mail an petra.vogt@ecogood.org!


Wenn Sie diese E-Mail (an: werner.dobrindt@gmx.de) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Christian Felber
Postfach 30 
1072 Wien
Österreich


info@christian-felber.at
http://christian-felber.at
CEO: Christian Felber
Tax ID: ATU56359327
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