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Der tanzende Ökonom #9 | Herbst 2021

Intro: Vielfalt und Spaltung

Zum einen bestimmen die Pandemie und der Umgang damit den Alltag. Zum anderen geht das Leben weiter – mit Staunen blicke ich auf den Ereignisreichtum der zweiten Jahreshälfte zurück, ich wollte ja eigentlich weniger tun :)
Die vielen Highlights geben auch viel Kraft. Gegen Jahresende sorgte meine - ganz persönliche - Entscheidung zur Covid 19-Impfung für mehr Aufsehen, als mir lieb war.
Die gesellschaftliche Spaltung, die zu verhindern ich gemeinsam mit anderen versucht hatte, ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass ein sachlicher und wertschätzender Diskurs an vielen Orten nicht mehr möglich ist. In den letzten Wochen habe ich mich deshalb mit weiteren Stellungnahmen zurückgehalten. Und mit guten Freund*innen Geburtstag gefeiert.


Übersicht
  1. Wissenschaft: ECGIC 2022, PINE an der Universität Córdoba, GWÖ an der HAWK Göttingen
  2. Gemeinwohl-Ökonomie: Gemeinwohl-Produkt, EU Event on CSRD, Stuttgart mit GWÖ ausgezeichnet, Münster, Neubilanzierer von TH Nürnberg bis Greenpeace Schweiz
  3. Genossenschaft für Gemeinwohl: Lehrgang „Geld und Demokratie“ II
  4. Reisen: Dänemark-Reise
  5. Vernetzung: SDG Plattform Austria, Doughnut Economics, Abschied von Silke Helfrich
  6. Tanz: Kultursommer Wien
  7. Pandemie im Diskurs: Eigene und kollektive Texte
  8. Medien: Eigene Texte, Interviews, Berichte über die GWÖ
  9. Action!
I. Wissenschaft

ECGIC 2022  

Die zweite wissenschaftliche Konferenz der GWÖ wird von 9.-11. März 2022 an der Universität Valencia stattfinden. Gehostet vom ersten GWÖ-Lehrstuhl weltweit. Die Konferenz wird den Zusammenhang zwischen nachhaltiger Unternehmens-organisation und den globalen Nachhaltigkeitszielen beleuchten, unter dem Titel «Connecting Sustainability Organizational Models with SDGs». Ich darf die Eröffnungs-Keynote zum Gemeinwohl-Produkt halten. Der Call for Papers wurde vor wenigen Tagen geschlossen, vielleicht gibt es für Interessierte, die jetzt erst davon erfahren, eine Nachfrist.

> ECGIC 20222


PINE an der Universität Córdoba 

Von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der nationalen Universität Córdoba in Argentinien wird ab 15. Februar 2022 ein dreimonatiger Einführungskurs in Neue Ökonomien (Programa de Introducción a Nuevas Economías) angeboten. Prominent mit dabei wird die Gemeinwohl-Ökonomie sein, auch darf ich eine Lehreinheit leiten. An dem Online-Kurs werden Interessierte aus ganz Lateinamerika teilnehmen, sowie Spanischsprachige aus aller Welt. Die frei zugänglichen Vorgespräche im Dezember haben bereits großes Interesse hervorgerufen. 

> Nuevas Economías
> Resumen de las charlas perparatorias


GWÖ-Kurs an der HAWK Göttingen

Das Beispiel der Hochschule Münster macht weiter Schule. Nach den Universitäten Paderborn und Kassel, die dafür einen Preis einheimste, hat nun auch die Hochschule für Angewandte Kunst und Wissenschaft Göttingen einen Lehrveranstaltung eingerichtet, in der Studierende verschiedener Studiengänge Firmen beim Einstieg in die Gemeinwohl-Ökonomie unterstützen. Möge das Modell noch weitere Kreise ziehen!

> Göttinger Tageblatt

II. Gemeinwohl-Ökonomie

Gemeinwohl-Produkt

Nachdem der Schwerpunkt der wachsenden Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung in den ersten Jahren auf der Gemeinwohl-Bilanz lag – zunehmend auch für Gemeinden und Städte – hat der Internationale Verband nun eine Kampagne zu einem zweiten Akzent gelauncht: dem Gemeinwohl-Produkt oder Common Good Product. Den Start anlässlich des G20-Gipfels in Rom und der COP26 in Glasgow unterstützten Persönlichkeiten wie Kate Raworth, Robert Costanza, Antje von Dewitz, Hartmut Rosa u. v. a. m.

> Common Good Product

EU Event on CSRD

Nach langer Vorarbeit erntete die GWÖ am 29. September den Lohn ihrer Mühe: Ein prominent besetzes Panel diskutierte Inhalte und Schwächen der zukünftigen EU-Nachhaltigkeitsbericht-erstattungsrichtlinie (CSRD), welche die gesetzliche Grundlage für die Gemeinwohl-Bilanz bildet. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit Oxfam organisiert, unterstützt von der Future-Fit Foundation, Frank Bold and the Alliance for Corporate Transparency (ACT). Am Podium waren Sirpa Pietikäinen (MEP), Tom Todd (EU-Kommission) sowie Expert*innen diverser NGOs von WWF bis zur Taxonomie-Arbeitsgruppe.
Fazit: Es geht sehr langsam in kleinen Schritten voran.

> Event in Brüssel

Stuttgart mit GWÖ ausgezeichnet

Freude in der Bewegung: Stuttgart wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgezeichnet - unter anderem für die progressive Anwendung der Gemeinwohl-Ökonomie.

> SWR-Bericht

Münster 

Auch Münster macht den nächsten Schritt: die Stadtwerke, der kommunale Parkhausbetreiber WBI sowie die städtische Wirtschaftsförderung werden eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Langfristiges Ziel ist laut der Grünen-Politikerin Anne Herbermann, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt Unternehmen zum Zuge kommen, die ebenfalls ihre Gemeinwohlorientierung überprüfen lassen und dokumentieren.

> Westfälische Nachrichten

Neubilanzierer: TH Nürnberg, Postbauer-Heng, Greenpeace Schweiz und Volksbank in Brakel

Als erste staatliche Hochschule in Deutschland hat die TH Nürnberg eine Gemeinwohl-Bilanz vorgelegt. Bisher hatte dies in Deutschland nur das Internationale Graduiertencenter der Hochschule Bremen getan. Beim Gemeinwohlkongress an der TH Nürnberg wurde die Hochschule gemeinsam mit der Gemeinde Postbauer-Heng und weiteren Unternehmen aus der Region ausgezeichnet. Der Festakt fand im Beisein von Carolina Trautner, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales statt. Ich durfte die Zertifikate an alle Bilanzierer*innen überreichen, darunter an Rektor Niels Oberbeck und Kanzlern Andrea Gerlach-Newman.


Auch sonst erfreuen wir uns zahlreicher Neuzugänge: Greenpeace Schweiz hat ebenso ihre erste Gemeinwohl-Bilanz erstellt wie die Brauerei Gutmann in Titting als erste Brauerei Deutschlands. Im Kreis Höxter, der ersten Gemeinwohl-Region, ist mit der Vereinigte Volksbank mit Sitz in Brakel e.V. eine Bank zur wachsenden Gemeinwohl-Community hinzugekommen.

> Informationsdienst Wissenschaft
> Mein eigener Post zum Gemeinwohl-Kongress
III. Genossenschaft für Gemeinwohl

Lehrgang „Geld und Demokratie“ II

Nachdem im ersten Durchgang Anfang des Jahres unglaubliche 350 Teilnehmer*innen den Pilot-Onlinekurs „Geld und Demokratie“ besucht hatten, beschlossen die Akademie der Genossenschaft für Gemeinwohl (GfG), die Pioneers of Change und ich eine Wiederholung im Herbst. Die Struktur blieb gleich: Zehn Input-Videos mit einem Interview zum Thema bildeten die Grundlage, dazu gab es in jeder Einheit einen Live-Call, bei dem ich mit den Teilnehmer*innen 1,5 Stunden lang diskutierte.

Schon im ersten Durchlauf entstanden zwei ganz konkrete Aktionsideen: die Vorbereitung eines Finanzbürger*innenrates und die Kampagne „Gemeinwohlkonto in meiner Hausbank“ (s. Action).
Fest steht: 2022 wird es im Herbst weitegehen!

> Kurswebsite

IV. Reisen

Dänemark-Reise

Eine der wenigen Reisen, die in diesem Jahr möglich waren, führte mich zur Konferenz „Impact the Future“ im dänischen Sønderborg. Die beiden Partner Culture Works und Startupguide haben diesen Event mit internationaler Ausstrahlung gemeinsam auf die Beine gestellt. Ich durfte eine Keynote zur Gemeinwohl-Ökonomie beisteuern, zwischen John Elkington, Pardis Shafafi und Michael Møller. In Pandemiezeiten tat ein bisschen internationale Konferenzluftschnuppern sehr gut. Das Bad in der kühlen Ostsee ergänzte das Programm perfekt.

> Impact the Future

V. Vernetzung

SDG Plattform Austria

Im letzten Newsletter berichtete ich über die Gründung der AG „Task Force Non-financial Reporting“ auf der Plattform SDG Watch Austria. Erster Akt war die Abgabe von Stellungnahmen zum Richtlinienentwurf der EU-Kommission für die CSRD. Auf Einladung des federführenden Justizministeriums nachmen wir an einer Online-Anhörung teil, die jedoch in der Kürze der Zeit und angesichts der großen Zahl der Teilnehmer*innen keinen vertiefenden Austausch ermöglichte. Eine zusätzliche Gesprächsanfrage lehnte das Justizministerium bisher ab. 

> Artikel auf SDG Watch Austria

Doughnut Economics Action Lab

Kate Raworth hat das DEAL (Doughnut Economics Action Lab) um einen Business & Enterprise Lead erweitert. Drei GWÖ-Aktive trafen Erinch Sahan, um konkrete Kooperationsoptionen zu sondieren. Damit ist der Kontakt zur Doughnut Economy auf eine formale Basis gestellt.  

> DEAL team

Abschied von Commons-Theoretiker*in Silke Helfrich

Ein trauriger Abschied fand im November statt. Silke Helfrich, Commons-Vordenkerin und Mit-Initiator*in des Netzwerks Ökonomischer Wandel (NOW), verließ uns im November bei einer Wanderung in den Alpen. Die Nachricht von ihrem Tod kam völlig überraschend, Silke hinterlässt eine große Lücke im Feld der alternativen Ökonomien und der zivilgesellschaftlichen Vernetzung.
Ich hatte mit ihr zuletzt regelmäßíg im Rahmen von NOW zusammengearbeitet. Ihr forschender, umsichtiger und kreativer Geist wird uns fehlen. R. I. P.

> Nachruf auf NOW

VI. Tanz

Kultursommer Wien

Gemeinsam mit Magoa Hanke trat ich erstmals beim Kultursommer Wien auf, mit „Liquid Common Good - Dance for Future“. Wir kombinierten politische Botschaften mit Tanz, Performance und Akrobatik und erwischten einen wunderschönen Sommerabend!

> Liquid Common Good / Dance for Future












VII. Pandemie im Diskurs

Als die Pandemie im März 2020 begann, hatte ich sofort ein komisches Bauchgefühl. Um dieses Unbehagen zu artikulieren, startete ich mit fünf „Vlogs“. Im Herbst 2020 begann ich meine Wahrnehmung vom „Gesamtgeschehen“ zu Papier zu bringen. Qualitätsmedien in Österreich lehnten es jedoch ab, meine Perspektive zu drucken. Ich war unsicher, traf aber Menschen, die eine ganz ähnliche Sicht auf das Gesamtgeschehen hatten. Ergebnis dieses Austauschprozesses war eine 67-seitige Broschüre „Corona ins Verhältnis setzen. Alternativen zu Lockdown und Laufenlassen“, die 16 Autor*innen am 15. Juli veröffentlichten. Während in Deutschland einige Medien bis hin zum ARD-Faktenfinder die Initiative aufgriffen, blieb es in Österreich still. Die Autor*innen arbeiteten Feedback, das weitgehend positiv ausfiel, in ein kurzes Papier mit konkreten Empfehlungen für einem alternativen Umgang mit der Pandemie ein. Das Plädoyer „Für ein neues Miteinander und Gesundheitsverständnis. 12 Schritte aus der Corona-Krise“ wird von 25 Initiativen mitgetragen, die Veröffentlichung Mitte Oktober blieb jedoch praktisch ohne mediale Echo.

Ganz anders verhielt es sich mit einem Text, den ich am 11. November publizierte, um dem wachsenden Druck auf Menschen, die sich noch nicht für oder gegen eine Covid-19-Impfung entschieden haben, dem Vorwurf, sie hätten keine Gründe und ihrer systematischen Diffamierung etwas entgegenzusetzen. Ich wollte am eigenen Beispiel zeigen, dass es viele persönliche Gründe gibt, und dass jemand, der sich derzeit nicht impfen lässt, keine Impfgegner*in sein muss. Meine „30 Gründe“ habe ich nach erneuten Absagen in österreichischen Qualitätsmedien auf den NachDenkSeiten veröffentlicht. Das Echo war sehr stark - positiv wie negativ. Manche Menschen waren maßlos enttäuscht, einzelne traten sogar aus der GWÖ aus, andere gingen ins Gespräch. Ich ergänzte nach einigen Wochen klärende Worte auf meiner Website. Gegenwärtig bin ich wie viele andere sehr besorgt über den Meinungsdruck und die gesellschaftliche Spaltung, die zu verhindern ich mitangetreten war.

> Corona ins Verhältnis setzen (15. Juli 2021)
> MDR-Interview zum Papier (29. Juli 2021)
> 12 Schritte aus der Corona-Krise (15. Oktober 2021)
> Die gesellschaftliche Spaltung beenden (Wiener Zeitung, 8. September 2021)
> 30 Gründe, warum ich mich derzeit nicht impfen lasse (NDS, 11. November 2021)
> Reflexionen zum Echo auf die 30 Gründe (Corona-Tagebuch, 12. Dezember 2021)


VIII. Medien

Eigene Texte

→ 14. 5. „Glücklicher werden mit weniger – geht das überhaupt?“ in Salzburger Nachrichten
→ 14. 5. Interview mit Vivian Dittmar in Salzburger Nachrichten
→ 3. 7. „Neues von Tim Jackson“, Interview in Der Standard

Interviews

→ 1. 7. „Wie könnte ein ethischer Welthandel aussehen“ in Frankfurter Rundschau
→ 27. 7. „Soevereine burgers zouden (…)“ in De Wereld Morgen (Belgien)
→ 6. 9. „Gemeinwohl vor Gewinnstreben“ in Salzburger Nachrichten
→ 11. 9. „Traut euch, euch mit Wirtschaft zu beschäftigen“ in der Hamburger Morgenpost
→ 30. 9. Interview mit Andreas Schöfbeck auf vegconomist
→ 21. 10. „Gemeinwohl statt Profit“ auf Tirol Live
→ 27. 10. „Dann fühle ich mich glücklich“ im Darmstädter Echo
→ 2. 12. Interview mit Gerd Hofielen auf kontrast.at

Berichte über die GWÖ

→ 23. 7. „Wie eine Kleinstadt in Ostwestfalen den gesellschaftspolitischen Systemwechsel vorbereitet“ in DER SPIEGEL
→ 25. 7. „Wer bezahlt für unsere Klimasünden?“ in Salzburger Nachrichten
→ 5. 9. „Wenn die Wirtschaft den Menschen dient“ im Kölner Stadtanzeiger
→ 3. 12. „Soziale Fairness in Oberbayern“ im BR Fernsehen „mehr / wert"
→ 2. 12. „Gemeinwohl statt Eigennutz“ auf BR24

Alle Medien in allen Kategorien: Christian Felbers Website

IX. Action!

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Christian Felber
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